Fernsehen, Radio hören, Telefonieren:
Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

Top 10 Ergebnisse des Freizeit-Monitors 2014

1. Die Dominanz des Fernsehens ist ungebrochen

Egal ob Mann oder Frau, Stadt- oder Landbewohner, Arm oder Reich – für alle bleibt der TV-Konsum die regelmäßigste Freizeitaktivität. 97% der Deutschen schalten wenigstens einmal pro Woche in die Programme der öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten – über zwei Drittel sogar täglich. Damit belegt „Fernsehen“ zum 25. Mal in Folge den ersten Platz.

2. Die Medien prägen die Top 10 der Freizeitaktivitäten

Fernsehen und Radio, Zeitung und Internet, Handy und Festnetz – der Freizeitalltag der Bundesbürger wird maßgeblich durch Medien geprägt. Bei der Generation unter 30 Jahren sind sogar die neun häufigsten Aktivitäten durch die Medien bestimmt.

3. Unterschiede innerhalb der Bevölkerung: Klischees bestätigen sich

Frauen gehen deutlich häufiger shoppen als Männer und lesen mehr Bücher. Auch beim Telefonieren und sich in Ruhe pflegen liegen sie deutlich weiter vorn. Männer hingegen schauen öfter bei Sportveranstaltungen zu, gehen mehr in die Kneipe oder widmen sich dem Heimwerken.

Groß bleiben auch die Unterschiede zwischen den Generationen. So nutzt die junge Generation nicht nur häufiger Facebook, das Smartphone oder den PC, sondern zeigt sich insgesamt aktiver bzw. sprunghafter in der Freizeitgestaltung. Die ältere Generation dagegen bleibt ihren Freizeitbeschäftigungen treu und übt diese zeitintensiver aus.

Das Freizeitverhalten in Ost- und Westdeutschland hat sich hingegen weiter angeglichen. Groß sind hier lediglich noch die Unterschiede bei den Aktivitäten Sport und etwas für die Gesundheit tun. Diesen kommen eher die Westdeutschen nach, während Gartenarbeit und Mittagsschlaf häufiger von Ostdeutschen gemacht wird.

4. Aktivitäten außer Haus – Kultur ist weit abgeschlagen

Bei den außerhäuslichen Beschäftigungen liegen der Spaziergang, das Fahrradfahren und die Gartenarbeit vorn. Auch wenn kulturellen Angeboten in der Freizeit eine Bedeutung zugesprochen werden kann, so muss ihre Rolle als Freizeitaktivität jedoch realistisch eingeschätzt werden: Lediglich 3% der Deutschen gehen wenigstens einmal pro Monat in ein Theater oder Museum.

5. Gewinner und Verlierer im Jahresvergleich

Im 10-Jahresvergleich zeigt sich auf der einen Seite sehr deutlich, wie stark die Medien mittlerweile den Freizeitalltag der Bundesbürger prägen. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die PC-, Internet- oder Handynutzung deutlich an. Auf der anderen Seite haben aber soziale Aktivitäten verloren; die Bürger unternehmen mittlerweile seltener etwas mit Freunden, sprechen weniger Einladungen aus und reden auch nicht mehr so oft über wichtige Dinge wie früher.

6. 3 Stunden und 56 Minuten Freizeit haben die Deutschen im Durchschnitt

Weder Geschlecht noch Region oder Einkommen entscheiden über den Umfang des Freizeit-Budgets, sondern fast ausschließlich die Lebensphase. So haben Ruheständler pro Werktag über fünf Stunden zur freien Verfügung, während Familien weniger als drei Stunden haben.

Im Jahresvergleich zu 2010 sank das Freizeit-Budget in der Gesamtbevölkerung leicht um 7 Minuten – das der Jugendlichen jedoch um ganze 36 Minuten. Dieser starke Rückgang an freier Zeit bei der jüngsten Generation kann zum Großteil auf die zunehmende Anzahl an Ganztagesschulen und die Verkürzung des Abiturs auf 12 Jahre zurückgeführt werden.

7. Mehr Freizeit, weniger Einkommen?

Die Option, für mehr Freizeit auf einen Teil des Einkommens zu verzichten, ist lediglich für jeden vierten Bundesbürger interessant. Besonders Bundesbürger mit einem niedrigen Haushaltsnettoeinkommen, aber auch viele ältere Deutsche wollen und können sich dieses nicht leisten. Dagegen sagt immerhin mehr als jeder dritte Besserverdienende, dass er sich den Tausch – Geld gegen Zeit – vorstellen könne.

8. Spontan sein und schlafen – was die Deutschen gerne häufiger machen würden

Rund zwei Drittel der Deutschen würden gerne öfter spontan genau das tun, wozu sie gerade Lust haben und häufiger ausschlafen. Die Mehrheit würde zudem gerne mehr mit Freunden und der Familie unternehmen, mehr Ausflüge machen, öfter essen gehen und mehr faulenzen. Sehr deutlich werden durch diese Äußerungen die eigentlichen Wünsche der Deutschen nach mehr sozialen Aktivitäten und wieder mehr Erholung. Zudem zeigt sich, dass der Großteil der Bundesbürger es auch in der Freizeit oftmals nicht schafft, genau das zu tun, was er eigentlich will.

9. Gespart wird in der Freizeit, nicht im Alltag

Wenn die Bundesbürger mit ihrem Geld mehr haushalten müssten, dann würden sie dieses am ehesten in der Freizeit tun. Wenig Einsparpotenzial herrscht dagegen bei den alltäglichen Ausgaben. So sind die Bereitschaft und wohl auch die Möglichkeiten, beim Wohnen, Essen und Trinken zu sparen, lediglich bei gut jedem zehnten Bürger vorhanden. Dagegen können sich über zwei Drittel der Deutschen vorstellen, seltener ins Theater, Kino oder Restaurant zu gehen. Und auch bei den Wochenendausflügen und Urlaubsreisen würde die Mehrheit im Notfall mit weniger Budget auskommen.

10. Welche Freizeitaktivität ist ihr Geld wert?

Neun von zehn Konzert- und Zoobesuchern sowie fast ebenso viele Musical- und Kinogänger sind mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis der besuchten Attraktion zufrieden. Auch in Erlebnisbädern und Freizeitparks sagt die große Mehrheit der Gäste, dass der Besuch sein Geld wert war. Nicht ganz so positiv sind dagegen die Jahrmarkt- und Kirmesgänger gestimmt, von denen sich aber auch noch zwei Drittel zufrieden äußern.

Erläuterung der Ergebnisse

Erläuterung der Ergebnisse des Wissenschaftlichen Leiters der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, Professor Dr. Ulrich Reinhardt:

  1. Neue Angebote bewegen die Bundesbürger nur bedingt zu neuen Verhaltensweisen. Daher überrascht es nicht, dass die große Mehrheit der Deutschen ihren Freizeitaktivitäten treu bleibt. Zugewinne können fast ausschließlich die neuen Medien verzeichnen, wobei hier keine Verdrängung der alten Medien stattfindet, sondern eine parallele Nutzung von alt und neu nachzuweisen ist – so werden Fernsehen, Radio und Zeitung weiter genutzt, verlieren aber ihre Monopolstellung.
  2. Auch in der Freizeit zeigen sich mittlerweile die Auswirkungen der demografischen Entwicklung, wie unserer älter werdenden Bevölkerung, zunehmender Kinderlosigkeit und Versingelung. So werden soziale Aktivitäten seltener ausgeübt, während gleichzeitig weiterhin der Wunsch besteht, sich (wieder) häufiger mit Verwandten und Bekannten, Freunden und Nachbarn auszutauschen.
  3. Der Freizeitalltag der meisten Bundesbürger findet Zuhause statt. Aktivitäten außer Haus sind eher die Ausnahme als die Regel und konzentrieren sich hauptsächlich auf das Wochenende. Ob Ruheständler oder Berufstätiger: die (Feier-)Abende werden meistens zwischen Haushalt, Familie und Fernseher verbracht. 
  4. Bei den Freizeitwünschen zeigt sich ein Mangel an Erholungszeit und Spontanität. Einem amerikanischen Sprichwort zufolge liegt der Unterschied zwischen Existieren und Leben im Gebrauch der Freizeit. Daher sollten die Bundesbürger sich öfter trauen, in ihrer freien Zeit auch tatsächlich genau das zu tun, was sie wirklich wollen und sich nicht hinter Routine, Antriebsschwäche und Konventionen verstecken.
  5. Freizeit ist den Deutschen lieb und teuer, aber viele Angebote muss man sich doch leisten können. So nimmt die Spaltung der Gesellschaft auch in der Freizeit weiter zu. In der Zukunft werden bestimmte Aktivitäten nur noch von Wenigen bezahlbar sein, die dafür dann aber Exklusivität offeriert bekommen.