Ist Freizeit noch freie Zeit? Verpflichtungen in der Freizeit nehmen zu

Die eigene Freizeit ist den Bundesbürgern nahezu heilig. Es ist die Zeit, sich zu erholen und genau das zu tun, wozu man gerade Lust hat – ohne Pflichten, Rücksichtnahme, Einschränkungen oder Fremdbestimmung. Diese Idealvorstellung der eigenen Freizeitgestaltung spiegelt sich jedoch immer seltener in der Realität wieder. Bevor sich der Erholung, dem Hobby oder den Freunden gewidmet wird, wollen viele Bundesbürger erst noch produktiv sein oder müssen zunächst etwas erledigen.

Hierbei lassen sich gerade zwischen den Geschlechtern Unterschiede nachweisen. So kümmern sich immer noch deutlich mehr Frauen als Männer (94% zu 57%) um den Haushalt und den Einkauf (89% zu 70%). Männer dagegen telefonieren in der Freizeit häufiger mit der Firma (21% zu 13%), arbeiten mehr für den Job (15% zu 11%) und bilden sich öfter weiter (23% zu 17%). 

Und während zahlreiche Aktivitäten in der Freizeit häufiger als in der Vergangenheit ausgeübt werden, gehen soziale Verpflichtungen wie ein Ehrenamt auszuüben (−6 Prozentpunkte) oder Nachbarschaftshilfe zu leisten (−14 Prozentpunkte) zurück. 

Immer mehr Pflichten in der Freizeit

Einkaufen, Lernen, Pflegen, Helfen ...

Von je 100 Befragten gehen in ihrer Freizeit folgenden Aktivitäten regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) nach:

  
Besorgungen machen/Einkaufen80
Hausarbeiten (Kochen, Putzen etc.)76
Etwas für die Gesundheit tun47
Sich weiterbilden/lernen21
Mit der Firma telefonieren17
In der Freizeit für den Job arbeiten13
Ehrenamtliches Engagement10
Nachbarschaftshilfe leisten9
Zusätzliches Geld verdienen9
Pflege von Angehörigen7

Reinhardt: „Freizeit wird immer öfter zur Stresszeit. Sei es durch das schlechte Gewissen, sich nicht genug um Familie und Freunden zu kümmern, oder aber aus Angst, etwas zu verpassen, ganz gleich ob im Job oder im Freundeskreis. Entsprechend wird versucht, die Freizeit zu optimieren und immer mehr in kürzerer Zeit zu schaffen. Dadurch leiden nicht nur die Freundschaften und die Qualität der Aktivitäten, sondern auch die eigene Erholung, Zufriedenheit und das persönliche Wohlbefinden.“